Ihre Excel-Tabelle voller Kontakte ist überfüllt, Ihre Kollegen wissen nicht, wer an welchem Deal arbeitet, und wichtige Follow-ups verschwinden in Ihrem übervollen Posteingang. Pipedrive verspricht, dem ein Ende zu setzen mit einem visuellen Ansatz: Sie sehen auf einen Blick, wo sich jeder Interessent in Ihrem Verkaufsprozess befindet. Aber ist diese CRM-Plattform wirklich so intuitiv, wie es scheint?
Wer steckt hinter Pipedrive?
Pipedrive wurde 2010 von fünf Esten gegründet: Timo Rein, Urmas Purde, Ragnar Sass, Martin Henk und Martin Tajur. Sie arbeiteten alle im Vertrieb und hatten dasselbe Problem. Bestehende CRM-Systeme waren für Manager entwickelt, die ihr Team kontrollieren wollten, nicht für Verkäufer, die tatsächlich Deals abschließen wollten. Tabellen mit Kontakten und endlose Berichtsanforderungen sorgten für Frustration statt für Ergebnisse.
Das Team beschloss, ein Tool zu entwickeln, das sich auf Aktivitäten statt auf Administration konzentriert. Die Idee des aktivitätsbasierten Verkaufens wurde zum Kern: Sie erfassen, welche Aktionen Sie durchführen, und das System hilft Ihnen, diese Schritte zu verfolgen, bis ein Deal abgeschlossen ist. Von Estland aus wuchs Pipedrive schnell zu einem internationalen Player. Im Jahr 2020 erreichte das Unternehmen den Unicorn-Status, als Vista Equity Partners es für 1,5 Milliarden Dollar übernahm. Inzwischen hat Pipedrive seinen Hauptsitz in New York und wird von mehr als 100.000 Unternehmen weltweit genutzt.
Die Gründer sammelten insgesamt mehr als 90 Millionen Dollar an Finanzierung mit Unterstützung bekannter Investoren wie Bessemer Venture Partners, Insight Partners und Atomico. Die Geschichte von fünf Verkäufern, die ihre eigene Frustration in ein erfolgreiches Produkt umwandelten, spricht viele KMU-Unternehmer an. Sie erkennen sich in dem Wunsch wieder, weniger Zeit mit Administration und mehr mit Verkaufen zu verbringen.
Für wen ist Pipedrive geeignet?
Pipedrive ist für den Mittelstand und Kleinbetriebe konzipiert, insbesondere für Vertriebsteams, die einen klaren Verkaufsprozess verfolgen möchten. Startups, die ihre ersten Verkäufer einstellen, finden hier eine zugängliche Möglichkeit, Struktur zu schaffen, ohne monatelange Implementierungszeit. Auch kleine Vertriebsteams in größeren Unternehmen nutzen Pipedrive gerne, weil es weniger überwältigend ist als komplexe Enterprise-Lösungen.
Weniger geeignet ist Pipedrive für Freelancer, die ein kostenloses Tool suchen. Es gibt keine kostenlose Version, nur eine 14-tägige Testphase. Auch große Enterprise-Organisationen mit komplexen individuellen Anforderungen und umfangreichen Integrationen stoßen oft an Grenzen. Pipedrive hält es bewusst einfach, was für manche ein Vorteil ist und für andere zu eingeschränkt.
Was kann Pipedrive alles?
Die kostenlose Testphase gibt Ihnen Zugang zu den Basisfunktionen, aber für erweiterte Automatisierung, Berichte und Integrationen benötigen Sie einen kostenpflichtigen Plan. Hier sind die wichtigsten Möglichkeiten:
- Visuelles Pipeline-Management: Du siehst deine Deals als Karten, die du von links nach rechts durch deine Verkaufsphasen schiebst. Es ist übersichtlich und fühlt sich natürlich an, als würdest du Post-its auf einem Whiteboard verschieben. Du kannst mehrere Pipelines für verschiedene Produkte oder Teams erstellen.
- E-Mail-Integration und Tracking: Verbinde dein Gmail oder Outlook und versende E-Mails direkt aus Pipedrive. Du siehst, wann jemand deine Mail öffnet und welche Links angeklickt werden. Alle Kommunikation wird automatisch mit dem richtigen Deal verknüpft, sodass deine Kollegen immer wissen, was besprochen wurde.
- Workflow-Automatisierung: Richten Sie Trigger ein, die automatisch Aufgaben erstellen, Deals verschieben oder Benachrichtigungen senden. Beispiel: Wenn ein Interessent ein Angebot öffnet, erhält der Verkäufer eine Benachrichtigung, um innerhalb von 24 Stunden nachzufassen. Das spart manuelle Arbeit und stellt sicher, dass kein Lead vergessen wird.
- LeadBooster mit Chatbot und Webformularen: Platzieren Sie einen Chatbot auf Ihrer Website, der Besucher qualifiziert und direkt in Pipedrive einfügt. Sie können auch Formulare erstellen, die ausgefüllte Daten automatisch als Lead hinzufügen. Dies ist ein Add-on, das zusätzlich zu Ihrem Abonnement kommt.
- Berichte und Dashboards: Erhalten Sie Einblick in Ihre Verkaufsleistung mit Diagrammen über gewonnene Deals, Conversion-Raten und Prognosen. Die Berichte sind klar und auf Sales-Metriken ausgerichtet, aber wer sehr detaillierte Analysen wünscht, stößt manchmal an Grenzen.
- Mobile Apps für iOS und Android: Die App ist schnell und übersichtlich. Sie können unterwegs Deals aktualisieren, Notizen hinzufügen und E-Mails versenden. Viele Nutzer nennen die mobile Erfahrung als einen der stärksten Punkte von Pipedrive.
Pipedrive bietet auch Integrationen mit Tools wie Slack, Trello, Zapier und Microsoft Teams. Sie können anpassbare Felder hinzufügen, um Ihren Verkaufsprozess genau auf Ihr Unternehmen abzustimmen. Die Benutzeroberfläche bleibt ruhig und übersichtlich, selbst wenn Sie viele Deals verwalten.
Was kostet Pipedrive?
Pipedrive hat keine kostenlose Version, bietet aber eine 14-tägige Testphase ohne Kreditkarte. Danach wählst du aus fünf kostenpflichtigen Plänen. Die Preise unten sind pro Benutzer pro Monat bei jährlicher Zahlung:
- Essential: € 14 pro Monat (€ 24 bei monatlicher Zahlung). Geeignet für kleine Teams, die mit CRM beginnen. Sie erhalten Pipeline-Verwaltung, E-Mail-Integration und mobile Apps.
- Advanced: € 34 pro Monat (€ 44 bei monatlicher Zahlung). Fügt Automatisierung, E-Mail-Tracking und Gruppen-E-Mails hinzu. Für Teams, die ihren Prozess optimieren möchten.
- Professional: € 49 pro Monat (€ 64 bei monatlicher Zahlung). Enthält umfassende Berichte, Dokumentenverwaltung und mehr Automatisierungsmöglichkeiten. Beliebt bei wachsenden Sales-Teams.
- Power: € 64 pro Monat (€ 79 bei monatlicher Zahlung). Zugang zu Projektmanagement, zusätzliche Anpassungsmöglichkeiten und erweiterte Berechtigungen.
- Enterprise: € 99 pro Monat (€ 129 bei monatlicher Zahlung). Für größere Organisationen mit Bedarf an unbegrenzten Berichten, Sicherheitsoptionen und Priority-Support.
Bei jährlicher Zahlung sparst du erheblich. Ein Team von fünf Personen zahlt beim Professional-Plan beispielsweise € 2.940 pro Jahr statt € 3.840 bei monatlicher Zahlung. Achtung: Add-ons wie LeadBooster und zusätzliche Integrationen kosten extra. Das kann den Gesamtbetrag erheblich in die Höhe treiben, besonders wenn du mehrere Benutzer hast.
Worauf sollte man achten?
Pipedrive konzentriert sich vollständig auf Sales, was bedeutet, dass Marketingfunktionen begrenzt sind. Möchtest du E-Mail-Kampagnen versenden, Landingpages erstellen oder Leads basierend auf Verhalten bewerten? Dann kommst du zu kurz. Für Unternehmen, die Sales und Marketing in einer Plattform vereinen möchten, ist HubSpot oder eine vergleichbare All-in-One-Lösung sinnvoller.
Die Kosten können durch Add-ons schnell steigen. LeadBooster, zusätzliche Benutzer und erweiterte Integrationen kommen zu deinem Abonnement hinzu. Was als bezahlbare Lösung beginnt, kann zu einer erheblichen monatlichen Rechnung anwachsen. Rechne im Voraus gut durch, was du benötigst.
Der Support ist bei den günstigeren Plänen begrenzt. Du erhältst Zugang zur Wissensdatenbank und E-Mail-Support, aber Priorität und telefonische Hilfe sind teureren Abonnements vorbehalten. Benutzer beklagen sich manchmal über langsame Reaktionen, besonders bei technischen Problemen.
Die Berichte sind klar und auf Sales-Metriken ausgerichtet, aber wer sehr detaillierte Analysen möchte oder lange Verkaufszyklen verfolgen muss, stößt an Grenzen. Auch fehlt einigen Integrationen die Tiefe, die man bei Enterprise-Tools findet. Pipedrive hält es bewusst einfach, was manchmal zu simpel für komplexere Organisationen ist.
Pipedrive Alternativen
Pipedrive ist nicht der einzige Akteur auf dem CRM-Markt. Abhängig von deiner Situation gibt es Alternativen, die besser passen:
- HubSpot CRM: Wählen Sie dies, wenn Sie auch Marketing-Automation suchen oder einen kostenlosen Start wünschen. HubSpot hat eine kostenlose Version mit vielen Möglichkeiten und bietet stärkere Marketing-Tools. Es ist allerdings komplexer als Pipedrive.
- Salesforce: Geeignet für große Enterprise-Organisationen mit komplexen individuellen Anforderungen. Salesforce ist viel teurer und hat eine steile Lernkurve, bietet aber unendliche Anpassungsmöglichkeiten und Integrationen.
- Zoho CRM: Günstiger als Pipedrive und Teil einer größeren Suite mit Tools für Projektmanagement, Buchhaltung und mehr. Wählen Sie dies, wenn Sie bereits andere Zoho-Apps verwenden und Budget wichtig ist.
Jedes dieser Tools hat seine eigenen Stärken. Pipedrive gewinnt bei Benutzerfreundlichkeit und Fokus auf Sales, verliert aber bei Preis und Marketingmöglichkeiten.
Häufig gestellte Fragen
Unten findest du Antworten auf die häufigsten Fragen zu Pipedrive:
Gibt es eine kostenlose Version von Pipedrive?
Nein, Pipedrive hat keinen dauerhaft kostenlosen Plan. Du kannst es aber 14 Tage lang kostenlos ohne Kreditkarte testen. Nach der Testphase musst du dich für eines der kostenpflichtigen Abonnements entscheiden.
Wo werden meine Daten gespeichert?
Pipedrive hat Rechenzentren sowohl in der EU (Frankfurt und Dublin) als auch in den Vereinigten Staaten. Für europäische Kunden werden Daten in der Regel in der EU gespeichert, aber es ist ratsam, dies bei der Anmeldung zu überprüfen.
Ist Pipedrive für große Unternehmen geeignet?
Ja, mit dem Enterprise-Plan bietet Pipedrive Funktionen für größere Organisationen, wie unbegrenzte Berichte und Sicherheitsoptionen. Es ist jedoch ursprünglich auf KMU ausgerichtet, daher können sehr komplexe Enterprise-Anforderungen Einschränkungen mit sich bringen.
Fazit
Pipedrive ist eine solide Wahl für Sales-Teams, die Struktur ohne Komplexität wollen. Die visuelle Pipeline, die kurze Lernkurve und die starke mobile App machen es attraktiv für KMU. Aber das Fehlen einer kostenlosen Version, begrenzte Marketingfunktionen und steigende Kosten durch Add-ons sind deutliche Nachteile. Für diejenigen, die sich rein auf Sales konzentrieren und bereit sind zu zahlen, ist Pipedrive eine der besten Optionen. Suchst du eine All-in-One-Plattform mit Marketing oder möchtest du kostenlos starten? Dann sind HubSpot oder Zoho CRM bessere Alternativen.






