Ihr Posteingang quillt über. Newsletter, Spam, Werbung und irgendwo dazwischen steckt diese eine wichtige E-Mail. Hey wirft das traditionelle E-Mail-System über Bord und führt eine völlig neue Arbeitsweise ein: mit einem Screener, der bestimmt, wer Sie überhaupt erreichen darf, einer Imbox statt einem Posteingang und automatischer Blockierung aller Tracking-Pixel. Entwickelt von den Machern von Basecamp, ist dies kein E-Mail-Client, sondern ein komplett neues E-Mail-System.
Wer steckt hinter Hey?
Hey stammt von 37signals LLC, dem Unternehmen, das 1999 von Jason Fried und David Heinemeier Hansson in Chicago gegründet wurde. Sie kennen sie vielleicht von Basecamp, dem Projektmanagement-Tool, oder von Ruby on Rails, dem Web-Framework, das Hansson entwickelt hat. Es sind keine durchschnittlichen Tech-Unternehmer: Sie haben eine klare Meinung darüber, wie Software funktionieren sollte, und scheuten schon immer die Silicon Valley-Mentalität von endlosem Wachstum und Venture Capital.
Die ursprüngliche Idee hinter Hey entstand aus purer Frustration. E-Mail war kaputt, fanden sie. Stressig, voller Tracking-Pixel, die verfolgen, wann man etwas öffnet, und jeder konnte einfach so in den Posteingang landen. Sie wollten den Nutzern wieder Kontrolle geben. Deshalb führten sie The Screener ein: ein System, bei dem man explizit Erlaubnis erteilen muss, bevor jemand einem eine E-Mail schicken kann. Anstelle eines traditionellen Posteingangs bauten sie eine Dreiteilung: die Imbox für wichtige E-Mails, The Feed für Newsletter und The Paper Trail für Belege und Transaktionen.
Das Unternehmen hat unter anderem Jeff Bezos als Investor, bleibt aber bewusst klein und unabhängig. Sie sind nicht an die Börse gegangen und wurden auch nicht übernommen. Mittlerweile nutzen mehr als 100.000 Menschen Hey, was bescheiden klingt im Vergleich zu Gmail oder Outlook, aber das passt zu ihrer Philosophie: Sie bauen für eine spezifische Gruppe von Menschen, die sich bewusst für eine andere Art des E-Mail-Verkehrs entscheidet, nicht für die Masse.
Für wen ist Hey?
Hey ist für Menschen gemacht, die Privatsphäre ernst nehmen und ihren Posteingang vor unerwünschten Eindringlingen schützen wollen. Wenn Sie regelmäßig von Newslettern, Werbung und Spam überschwemmt werden und bereit sind, eine neue Arbeitsweise zu erlernen, kann Hey eine Wohltat sein. Freelancer, die Kontrolle darüber haben wollen, wer sie erreicht, finden hier oft das Richtige. Auch Menschen, die sich bewusst von den Datenverkaufs-Modellen kostenloser E-Mail-Dienste distanzieren wollen, fühlen sich hier wohl.
Aber Hey ist nicht für jeden. Benötigen Sie vollständige Outlook- oder Exchange-Integration für Ihre Arbeit? Dann sollten Sie besser nach etwas anderem suchen. Auch wenn Sie kein Geld für E-Mail ausgeben wollen, sind Sie hier an der falschen Adresse: Es gibt keine kostenlose Version. Und da Hey ein komplett eigenes System ohne IMAP oder SMTP ist, können Sie Ihre bestehende E-Mail-Adresse nicht behalten. Sie erhalten eine neue @hey.com-Adresse, was für manche ein Ausschlusskriterium ist.
Was kann Hey alles?
Hey dreht sich um einen radikal anderen Workflow, als du es gewohnt bist. Der Kern des Systems besteht aus einer Reihe einzigartiger Features, die du nirgendwo anders findest:
- The Screener: Wenn dir jemand zum ersten Mal schreibt, musst du explizit deine Zustimmung geben. Möchtest du Nachrichten von dieser Person erhalten? Ja oder nein. Kein Spam mehr von Unbekannten, die einfach so in deinen Posteingang eindringen.
- Imbox statt Inbox: Nur E-Mails von Personen, die du genehmigt hast, landen hier. Das sind deine wichtigen E-Mails, ohne Müll. Der Unterschied zu einer Inbox? Hier kommt nur an, was wirklich zählt.
- Spy Pixel Blocking: Hey blockiert automatisch alle Tracking-Pixel in E-Mails. Unternehmen können nicht mehr sehen, wann du ihre E-Mail öffnest oder wie oft. Deine Privatsphäre bleibt intakt.
- The Feed: Newsletter und Updates werden hier gesammelt und als Zeitleiste präsentiert. Du liest sie, wann du willst, ohne dass sie deine Imbox zumüllen.
- The Paper Trail: Quittungen, Bestätigungen und Transaktionen bekommen ihren eigenen Platz. Kein Genervtsein mehr beim Suchen nach dieser einen Auftragsbestätigung zwischen all deinen anderen E-Mails.
- Reply Later: Siehst du eine E-Mail, die du später beantworten möchtest? Lege sie beiseite und sie erscheint ganz oben, wenn du bereit dafür bist. Keine vergessenen Follow-ups mehr.
- Set Aside: E-Mails, die du aufbewahren möchtest, aber nicht mehr aktiv sehen musst, kannst du beiseite legen. Sie bleiben verfügbar, aber räumen nicht mehr in deiner Imbox herum.
- Merge threads: Mehrere Konversationen über dasselbe Thema? Führe sie zu einem Thread zusammen. Praktisch, wenn sich eine Diskussion über verschiedene E-Mail-Wechsel verteilt.
- Integrierter Kalender: Hey hat einen vollständig integrierten Kalender, der mit deinen E-Mail-Workflows zusammenarbeitet. Du musst nicht zwischen verschiedenen Apps wechseln.
Das System funktioniert auf allen Plattformen: Web, iOS, Android, Windows, macOS und Linux. Da es ein eigenes Ökosystem ist, funktioniert alles auf jedem Gerät genau gleich. Kein Ärger mit unterschiedlichen Benutzeroberflächen oder fehlenden Features auf dem Smartphone.
Was kostet Hey?
Hey hat keine kostenlose Version, aber du kannst es 30 Tage lang ausprobieren, bevor du zahlst. Das ist wichtig, denn dies ist kein günstiger Dienst und die Arbeitsweise unterscheidet sich enorm von dem, was du gewohnt bist.
Für die private Nutzung zahlst du $ 99 pro Jahr, was $ 8,25 pro Monat entspricht. Das ist der HEY for You Plan. Möchtest du Hey mit deiner ganzen Familie nutzen? Dann gibt es HEY for Families für bis zu 5 Benutzer, das kostet $ 179 pro Jahr ($ 14,92 pro Monat). Für Unternehmen, die ihre eigene Domain verwenden möchten, gibt es HEY for Domains, das kostet $ 12 pro Benutzer pro Monat und wird monatlich abgerechnet.
Im Vergleich zu kostenlosen Alternativen wie Gmail ist das natürlich teuer. Aber du zahlst hier für Privatsphäre, keine Werbung, keinen Datenverkauf und eine völlig andere Arbeitsweise, die speziell entwickelt wurde, um deinen Posteingang ruhiger zu machen. Ob das den Preis wert ist, hängt davon ab, wie viel Wert du auf diese Aspekte legst.
Worauf sollten Sie achten?
Hey klingt auf dem Papier großartig, aber es gibt durchaus Nachteile, die du berücksichtigen solltest. Erstens ist es ein geschlossenes System. Es gibt kein IMAP oder SMTP, keine API, keine Zapier-Integration. Wenn du es gewohnt bist, deine E-Mails mit anderen Tools oder Diensten zu verknüpfen, wirst du enttäuscht sein. Du kannst Hey nur über ihre eigenen Apps und die Website nutzen.
Die Suchfunktion ist ein häufig genannter Schmerzpunkt. Benutzer beschweren sich, dass sie langsam ist und nicht intuitiv funktioniert. Wenn du regelmäßig alte E-Mails nachschlagen musst, kann das frustrierend sein. Auch die Lernkurve ist steil. Hey funktioniert so anders als herkömmliche E-Mail, dass du wirklich Zeit investieren musst, um dir den neuen Workflow anzueignen. Manche Menschen finden das erfrischend, andere finden es unnötig kompliziert.
Die Benutzeroberfläche selbst ist ebenfalls umstritten. Einige Rezensenten beschreiben sie als kindlich, mit großen Buttons und viel Farbe. Wenn du klare, minimalistische Benutzeroberflächen bevorzugst, kann das aufstoßen. Und dann ist da noch der Preis: $ 99 pro Jahr ist nicht wenig nur für E-Mail, besonders wenn du an kostenlose Dienste gewöhnt bist.
Schließlich gibt es keinen Weg zurück. Wenn du einmal zu Hey wechselst und später entscheidest, zu Gmail oder Outlook zurückzukehren, musst du alle deine Kontakte über deine neue (alte) Adresse informieren. Du kannst zwar eine Weiterleitung einrichten, aber deine @hey.com Adresse bleibt bestehen und Leute werden möglicherweise weiterhin dorthin schreiben.
Hey Alternativen
Hey ist nicht der einzige Anbieter, der versucht, E-Mail neu zu erfinden. Je nachdem, was du suchst, gibt es Alternativen, die besser zu dir passen:
- Proton Mail: Wähle dies, wenn maximale Sicherheit und Ende-zu-Ende-Verschlüsselung deine Priorität sind. Proton Mail konzentriert sich mehr auf Kryptografie als auf Workflow-Innovation, aber wenn Privatsphäre deine allerwichtigste Sorge ist, ist dies die stärkere Wahl.
- Superhuman: Wenn Geschwindigkeit das Allerwichtigste ist und du deine Gmail-Adresse behalten möchtest, ist Superhuman interessant. Es fokussiert sich auf Tastenkombinationen und blitzschnelle E-Mail-Verarbeitung, hat aber nicht die Screening-Philosophie von Hey.
- Gmail: Einfach kostenlose E-Mail ohne Aufwand. Du zahlst mit deinen Daten statt mit Geld und bekommst Werbung zu sehen, aber es funktioniert mit allem und jeder kennt es. Wenn du kein Geld für E-Mail ausgeben möchtest, bleibst du wahrscheinlich dabei.
Häufig gestellte Fragen
Menschen, die Hey in Erwägung ziehen, haben oft ähnliche Fragen. Hier sind die am häufigsten gestellten:
Kann ich meine bestehende E-Mail-Adresse behalten?
Nein, das ist nicht möglich. Du bekommst eine neue @hey.com Adresse. Du kannst zwar E-Mails von deiner alten Adresse zu Hey weiterleiten, aber deine alte Adresse wird nicht zu deiner primären Hey-Adresse. Das ist für viele Menschen eine wichtige Überlegung, denn es bedeutet, dass du alle deine Kontakte über deine neue Adresse informieren musst.
Funktioniert Hey mit anderen E-Mail-Apps?
Nein, Hey funktioniert nur über ihre eigene App und Website. Die einzigartigen Features wie The Screener und die Dreiteilung in Imbox, Feed und Paper Trail funktionieren nicht in Standard-Mail-Apps. Du bist also vollständig auf die Hey-Software auf all deinen Geräten angewiesen.
Ist ein Kalender enthalten?
Ja, Hey hat einen vollständig integrierten Kalender, der speziell entwickelt wurde, um mit deinen E-Mail-Workflows zusammenzuarbeiten. Du brauchst keine separate Kalender-App zu verwenden, alles ist im selben System.
Fazit
Hey ist keine kleine Verbesserung bestehender E-Mail, es ist eine komplette Neuinterpretation. Wenn du von Spam, Tracking und einem überfüllten Posteingang frustriert bist und bereit bist zu zahlen und eine neue Arbeitsweise zu erlernen, könnte Hey genau das sein, was du suchst. Allein der Screener kann dein E-Mail-Erlebnis drastisch verändern. Aber es ist nicht für jeden: Der Preis ist hoch, es gibt keine Integrationen, und du musst deine @hey.com-Adresse akzeptieren. Für datenschutzbewusste Menschen, die Kontrolle über ihre Kommunikation wollen, ist es eine ernsthafte Option. Für Leute, die einfach nur E-Mails abrufen wollen ohne Aufwand, ist es wahrscheinlich übertrieben.






