Du befindest dich in einem Meeting mit einem potenziellen Kunden. Es fallen zehn wichtige Dinge. Du versuchst mitzuschreiben, verpasst aber die Hälfte. Nach dem Meeting weißt du nicht mehr genau, was gesagt wurde. Grain zeichnet deine Videogespräche auf, transkribiert alles automatisch und extrahiert die wichtigsten Momente. Du kannst Clips mit Kollegen teilen, ohne dass sie eine Stunde lang zurückschauen müssen.
Wer steckt hinter Grain?
Grain Intelligence, Inc. wurde 2018 von den Brüdern Mike und Jake Adams in San Francisco gegründet. Die Idee entstand, als Mike bei seinem vorherigen Startup MissionU Zulassungsgespräche über Zoom führte. Er stellte fest, dass wertvolle Informationen aus diesen Gesprächen einfach verloren gingen. Keine ordentlichen Notizen, keine Möglichkeit zur Rücksuche, keine Möglichkeit, wichtige Momente mit dem Team zu teilen. Er nannte dies ’spoken assets‘ – Dinge, die gesagt wurden, aber nie richtig festgehalten wurden.
Die Brüder wollten diese gesprochenen Informationen durchsuchbar und teilbar machen. Sie entwickelten Grain als Lösung für Teams, die viele Videogespräche führen, aber mit der Erfassung von Wissen kämpfen. Das Unternehmen wuchs stetig und hat mittlerweile 22 Millionen Dollar eingesammelt, mit Investoren wie Tiger Global. Bemerkenswert ist, dass sowohl der Zoom Apps Fund als auch der Slack Fund in Grain investiert haben – beide Plattformen sahen also Potenzial in der Integration.
Mittlerweile nutzen mehr als 100.000 Menschen Grain, darunter Teams bei bekannten Unternehmen wie Webflow und Zapier. Es ist kein kleines Startup mehr, aber auch kein Gigant wie Gong. Sie befinden sich irgendwo dazwischen – groß genug, um zuverlässig zu sein, klein genug, um agil zu bleiben.
Für wen ist Grain geeignet?
Grain richtet sich vor allem an Teams, die viele Videogespräche führen und daraus Mehrwert ziehen möchten. Denke an Sales-Teams, die Kundengespräche analysieren und Highlights mit dem Team teilen wollen. Oder User Researcher, die Interviews führen und bestimmte Momente für Präsentationen ausschneiden möchten. Recruiter nutzen es, um Bewerbungsgespräche anzuschauen und mit Hiring Managern zu besprechen. Customer Success Teams können Gespräche nach Beschwerden oder Feature-Requests durchsuchen.
Das Tool ist weniger geeignet für Privatpersonen, die gelegentlich ein Meeting haben. Wenn du nur ein paar Gespräche pro Monat führst, ist Grain überdimensioniert. Auch Teams, die reine Audioaufzeichnungen ohne Video erstellen, haben wenig von der Clip-Funktionalität, die gerade eine Stärke von Grain ist. Und wenn du keine geschäftliche E-Mail-Adresse hast, stößt du schnell an die Grenzen des kostenlosen Plans.
Was kann Grain alles?
Die kostenlose Version von Grain bietet bereits einiges an Funktionalität, aber für erweiterte Features wie tiefgehende Analytics und umfangreiche CRM-Integrationen benötigst du einen kostenpflichtigen Plan. Hier ist, was Grain kann:
- Automatische Aufnahme und Transkription: Grain zeichnet deine Zoom-, Google Meet- oder Microsoft Teams-Gespräche automatisch auf. Du musst nichts starten, es passiert von selbst, wenn du das so einstellst. Die Transkription funktioniert in mehreren Sprachen, allerdings ist die Echtzeit-Transkription während des Gesprächs nur auf Englisch verfügbar.
- KI-Zusammenfassungen: Nach dem Gespräch erhältst du eine Zusammenfassung. Die KI hebt wichtige Punkte hervor und listet sie auf. Praktisch, wenn du schnell wissen willst, worum es ging, ohne alles zurückzuschauen. Die Qualität hängt allerdings davon ab, wie strukturiert das Gespräch war.
- Videoclips erstellen: Hier glänzt Grain wirklich. Du kannst bestimmte Momente aus einem Gespräch ausschneiden und als einzelnen Clip teilen. Jemand stellt eine gute Frage in Minute 23? Schneide es heraus, teile den Link mit deinem Team. Niemand muss sich die ganze Stunde zurückschauen. Die Clips sind mit Transkription versehen, sodass du sie auch ohne Ton anschauen kannst.
- Durchsuchbares Archiv: Alle Gespräche werden durchsuchbar gespeichert. Du tippst einen Suchbegriff ein und Grain findet alle Momente, in denen dieses Wort erwähnt wurde, in jedem beliebigen Gespräch. Ideal, wenn du drei Monate später versuchst herauszufinden, wer etwas zu einem bestimmten Thema gesagt hat.
- Automatische Aktionspunkte: Grain erkennt, wenn Aktionspunkte in einem Gespräch genannt werden. „Ich schicke dir die Daten nächste Woche“ wird als Aktion erkannt. Das funktioniert recht gut, ist aber nicht perfekt – manchmal übersieht es Dinge oder interpretiert etwas falsch.
- CRM-Integrationen: Du kannst Grain mit Salesforce, HubSpot und anderen CRM-Systemen verbinden. Gespräche werden dann automatisch mit den passenden Kontakten und Deals verknüpft. Notizen und Highlights erscheinen in deinem CRM, ohne dass du sie manuell übertragen musst.
- Slack-Integration: Teile Clips und Zusammenfassungen direkt in Slack-Kanälen. Das Team erhält eine Benachrichtigung mit den wichtigsten Punkten aus einem Kundengespräch, ohne dass alle sich die gesamte Aufnahme anschauen müssen.
- Desktop Capture: Manchmal ruft ein Kunde unerwartet über eine andere Plattform an. Mit Desktop Capture kannst du trotzdem deinen Bildschirm und Audio aufnehmen, auch wenn es nicht über eine der Standard-Videoplattformen läuft.
- Bibliothek mit Vorlagen: Grain hat vorgefertigte Prompts für verschiedene Arten von Gesprächen. Verkaufsgespräche, User Interviews, Mitarbeitergespräche – für jeden Typ eine Vorlage, die der KI hilft, die richtigen Informationen herauszufiltern.
Was kostet Grain?
Grain hat einen kostenlosen Plan, aber mit erheblichen Einschränkungen. Wenn du eine geschäftliche E-Mail-Adresse verwendest, kannst du unbegrenzt Meetings aufzeichnen. Mit einer privaten E-Mail-Adresse bist du auf 20 Meetings beschränkt. Der kostenlose Plan ist für einen Benutzer, du kannst also nicht mit Teammitgliedern zusammenarbeiten.
Der Starter-Plan kostet 19 Dollar pro Monat oder 15 Dollar pro Monat bei jährlicher Zahlung (180 Dollar pro Jahr). Damit erhältst du Zugang zu mehr Speicherplatz und erweiterten Funktionen. Der Business-Plan kostet 39 Dollar pro Monat oder 29 Dollar pro Monat bei jährlicher Zahlung (348 Dollar pro Jahr). Dieser Plan ist für Teams gedacht und bietet umfangreiche Integrationen und Analytics.
Neue Nutzer erhalten 14 Tage, um die kostenpflichtigen Funktionen zu testen. Genug Zeit, um zu prüfen, ob Grain zu deiner Arbeitsweise passt. Die Preise sind angemessen für das, was du bekommst, besonders im Vergleich zu Enterprise-Lösungen wie Gong, die schnell Tausende Dollar pro Jahr kosten. Aber günstiger als manche Konkurrenten wie Tactiq ist es nicht.
Worauf solltest du achten?
Der kostenlose Plan klingt attraktiv, aber 20 Meetings sind schnell aufgebraucht, wenn du regelmäßig Besprechungen abhältst. Du stößt dann ziemlich schnell an die Grenzen. Für Teams, die ernsthaft arbeiten wollen, ist ein kostenpflichtiger Plan praktisch unvermeidlich.
Wenn du Grain mit Gong vergleichst, fehlen die tiefgehenden Sales-Analytics. Gong analysiert Gespräche viel umfassender und gibt Coaching-Tipps basierend auf dem, was gut und schlecht funktioniert. Das macht Grain nicht. Es ist mehr ein Aufnahme- und Sharing-Tool als eine vollständige Sales-Intelligence-Lösung.
Die Preistransparenz könnte besser sein. Auf der Website wird nicht immer klar dargestellt, was genau in welchem Plan enthalten ist. Du musst manchmal etwas herumklicken, um herauszufinden, ob eine Funktion, die du brauchst, in Starter oder Business enthalten ist. Das macht Vergleiche schwierig.
Echtzeit-Transkription funktioniert nur auf Englisch. Wenn du Gespräche in anderen Sprachen führst, erscheint die Transkription erst nach Ende des Gesprächs. Nicht ideal, wenn du während des Gesprächs mitlesen möchtest oder wenn du Hörprobleme hast.
Grain speichert Daten in den Vereinigten Staaten über AWS-Server. Das Unternehmen ist SOC 2 Type II konform, die Sicherheit ist also in Ordnung. Aber wenn du aus Datenschutzgründen lieber europäische Server hättest, ist das keine Option. Für Unternehmen mit strengen Data-Residency-Anforderungen kann das ein Problem sein.
Grain-Alternativen
Grain ist nicht der einzige Anbieter in diesem Bereich. Je nachdem, was du genau suchst, gibt es Alternativen, die besser passen:
- Otter.ai: Wähle dies, wenn du hauptsächlich Audio ohne Video aufnimmst. Otter ist stärker bei reiner Transkription von physischen Meetings und Telefonaten. Die Video-Oberfläche und Clip-Funktion sind weniger ausgereift als bei Grain.
- Fireflies.ai: Entscheide dich hierfür, wenn du maximale Workflow-Automatisierung möchtest. Fireflies hat mehr Integrationen und Automatisierungsmöglichkeiten, aber die visuelle Oberfläche zum Anschauen und Schneiden von Videos ist weniger intuitiv.
- Gong: Wähle dies, wenn du ein großes Enterprise-Sales-Team leitest und bereit bist, kräftig zu investieren. Gong ist deutlich teurer und komplexer, bietet aber umfangreiche Sales-Coaching- und Analyse-Funktionen, die Grain nicht hat.
Häufig gestellte Fragen
Ein paar Fragen, die häufig zu Grain auftauchen:
Funktioniert Grain mit allen Videoplattformen?
Grain lässt sich direkt mit Zoom, Google Meet und Microsoft Teams integrieren. Für diese Plattformen funktioniert die automatische Aufnahme out-of-the-box. Für andere Plattformen kannst du die Desktop-Capture-Funktion verwenden, aber dann musst du manuell starten und die Integration ist weniger nahtlos.
Sind meine Daten bei Grain sicher?
Grain ist SOC 2 Type II konform und verschlüsselt alle Daten. Die Speicherung erfolgt auf AWS-Servern in den Vereinigten Staaten. Für die meisten Unternehmen ist dies ausreichend, aber wenn du strenge europäische Data-Residency-Anforderungen hast, ist Grain keine Option.
Kann ich alte Aufzeichnungen hochladen?
Ja, du kannst vorhandene Video- oder Audiodateien in Grain hochladen. Das Tool transkribiert und analysiert sie dann so, als wäre es eine Live-Aufnahme. Praktisch, wenn du bereits ein Archiv hast, das du durchsuchbar machen möchtest.
Fazit
Grain ist eine solide Wahl für Teams, die viele Videogespräche führen und daraus systematisch Mehrwert ziehen möchten. Die Clip-Funktion ist wirklich praktisch – du kannst endlich bestimmte Momente teilen, ohne dass Leute sich eine Stunde Video ansehen müssen. Die Transkription ist genau und das durchsuchbare Archiv spart Zeit. Für Sales-Teams, Recruiter und User Researcher, die regelmäßig Gespräche analysieren und teilen, löst Grain ein echtes Problem. Es ist kein Enterprise-Monster wie Gong, aber für mittelgroße Teams oft mehr als ausreichend. Wenn du hauptsächlich Audio aufnimmst oder nur wenige Meetings pro Monat hast, gibt es günstigere Alternativen, die besser passen.






