Dein Team wächst. Die Excel-Tabellen sind nicht mehr zu bändigen. Jetzt musst du dich entscheiden: Linear oder Jira? Ich habe beide Tools monatelang genutzt, und ehrlich gesagt: Sie unterscheiden sich grundlegend. Ich helfe dir gern bei der Entscheidung.
Linear in Kürze
Linear wurde von Entwicklern gebaut, die von trägen Projekttools genervt waren. Das Ergebnis ist ein extrem schneller Issue Tracker, der sich fast wie eine native App anfühlt. Überall Keyboard‑Shortcuts. Ein Offline‑Modus, der wirklich funktioniert. Und eine Oberfläche, die dir nicht im Weg steht. Linear richtet sich an Softwareteams, die ohne endlose Konfiguration schnell arbeiten wollen. Das Tool zwingt dich zu einer effizienten Arbeitsweise – genau so ist es gedacht.
Jira in Kürze
Jira ist der Veteran. Seit Jahren der Standard für agile Teams, vor allem in großen Organisationen. Es ist eine leistungsstarke Maschine, die alles abdeckt: Scrum, Kanban, Custom Workflows, detaillierte Reports. Mit mehr als 3000 Integrationen kannst du Jira mit praktisch jedem anderen System verbinden. Diese Power bringt aber auch Komplexität mit. Jira ist für Enterprises gebaut, die Kontrolle und Compliance wichtiger finden als Geschwindigkeit. Es kann alles – wenn du dir die Zeit nimmst, es richtig zu konfigurieren.
Linear vs. Jira: die Unterschiede
Der größte Unterschied? Die Philosophie. Linear will, dass du schnell arbeitest. Jira will, dass du alles im Griff hast. Diesen Unterschied spürst du sofort, wenn du beide Tools öffnest.
Die Oberfläche von Linear lädt in Millisekunden. Eine Taste drücken und du erstellst ein Issue, ohne die Hände von der Tastatur zu nehmen. Sitzt du im Zug ohne WLAN? Kein Problem – der Offline-Modus funktioniert vollständig. Jira dagegen kann sich träge anfühlen, besonders in großen Projekten mit Hunderten von Issues. Die Oberfläche ist vollgepackt mit Optionen, Menüs und Konfigurationsmöglichkeiten. Für Einsteiger ist das überwältigend. Für erfahrene Admins ist es genau das, was sie brauchen.
Dann die Workflows. Linear nutzt „Cycles“ statt Sprints. Das Konzept ist ähnlich, aber Linear zwingt dich in einen 1–2‑Wochen‑Rhythmus. Keine endlosen 6‑Wochen‑Sprints. Keine komplexen Board-Konfigurationen. Es ist klar positioniert – und funktioniert erstaunlich gut für Teams, die Fokus wollen. Jira bietet dir dagegen grenzenlose Freiheit. Willst du einen Workflow mit 15 Status und 8 verschiedenen Issue Types? Geht alles. Aber diese Freiheit bedeutet auch, dass du einen Admin brauchst, der weiß, was er tut.
Berichte sind eine andere Sache. Jira punktet hier mit umfangreichen dashboards, Burndown-Charts, Velocity-Tracking und Custom Reports. Ideal für Management, das gern detailreiche Zahlen sieht. Linear hält es minimalistischer mit „Linear Insights“ – Basis-Metriken, die dir zeigen, ob dein Team im Plan liegt. Für die meisten Teams reicht das, aber nicht für Enterprises mit strengen Reporting-Anforderungen.
Integrationen? Jira gewinnt auf dem Papier mit über 3000 Optionen. In der Praxis nutzt du aber wahrscheinlich nur GitHub, Slack und dein CI/CD-Tool. Die GitHub-Integration von Linear ist durchdachter als die von Jira. Branches werden automatisch mit Issues verknüpft, PRs aktualisieren den Status, und alles fühlt sich natürlicher an. Der neue Linear Agent für Slack (seit Oktober 2024) macht es noch einfacher, Issues zu verwalten, ohne die Tool-Oberfläche zu öffnen.
Ein aktueller Unterschied: Linear hat im Dezember 2024 „Pulse on Mobile“ veröffentlicht – ein einheitlicher Feed aller Projekt-Updates auf deinem Smartphone. Jira hat zwar bessere Mobile-Apps, aber sie wirken wie verkleinerte Versionen der Desktop-Oberfläche. Die mobile Erfahrung von Linear ist für schnelle Updates unterwegs gebaut.
Skalierbarkeit ist der Bereich, in dem Jira wirklich glänzt. Teams mit über 1000 Leuten, mehrere Abteilungen, komplexe Compliance-Anforderungen? Jira kommt damit klar. Linear ist für Teams bis ungefähr 500 Personen gebaut. Darüber wird es schwierig – nicht, weil das Tool es technisch nicht kann, sondern weil der minimalistische Ansatz von Linear mit der Komplexität sehr großer Organisationen kollidiert.
Die Preise im Vergleich
Beide Tools haben einen kostenlosen Plan, aber mit unterschiedlichen Einschränkungen. Linear bietet unbegrenzt viele Mitglieder, aber maximal 2 Teams und 250 aktive Issues. Für ein kleines Team, das gerade startet, reicht das gut. Der kostenlose Plan von Jira ist auf 10 Nutzer begrenzt, dafür bekommst du aber 2 GB Speicher und die volle Funktionalität. Der Nachteil: nur 100 E-Mail-Benachrichtigungen pro Tag, was schnell erreicht ist.
Bei den kostenpflichtigen Plänen startet Linear bei 8 $ pro Nutzer pro Monat (jährlich bezahlt) oder 10 $ pro Monat. Jira beginnt bei 7,50 $ pro Nutzer pro Monat (jährlich) oder 9,05 $ pro Monat. Auf den ersten Blick wirkt Jira günstiger. Aber Achtung: Jira hat die Preise im Oktober 2024 um 5–10 % erhöht. Und für Enterprise‑Features zahlst du bei Jira schnell 15,41 $+ pro Nutzer pro Monat.
Linear’s Business‑Plan (12–16 $ pro Nutzer pro Monat) liefert dir alles, was du brauchst: unbegrenzte Teams, Priority Support und advanced roadmaps. Jiras Premium‑Plan (15,41–18,30 $ pro Monat) packt vor allem Compliance‑Features oben drauf: Audit Logs, unbegrenzten Speicher und advanced permissions. Ehrlich gesagt: Für ein Team mit 20 Leuten zahlst du bei Linear 160–200 $ pro Monat, bei Jira 150–180 $. Der Unterschied ist kaum der Rede wert.
Wo es teuer wird: Gastnutzer. Linear berechnet für Gäste den vollen Tarif. Jira bietet kostenlose Stakeholder‑Lizenzen. Für Teams, die regelmäßig externen Personen Zugriff geben, kann der Unterschied leicht auf mehrere hundert Dollar pro Monat steigen.
Fazit
Nimm Linear, wenn Geschwindigkeit und Developer Experience bei euch ganz oben stehen. Euer Team hat weniger als 500 Leute, ihr wollt keine Zeit in Konfiguration versenken und grundlegende Reports reichen euch. Das Tool fühlt sich an wie eine Erweiterung deines Code‑Editors – schnell, tastaturfokussiert und ohne Schnickschnack.
Nimm Jira, wenn du in einer großen Organisation mit komplexen Prozessen, strengen Compliance‑Vorgaben arbeitest oder das Management detaillierte Reports verlangt. Auch wenn eure Workflows vom klassischen Software‑Development abweichen (z. B. Marketing, HR, Legal), ist Jiras Flexibilität kaum zu ersetzen.
Meine persönliche Präferenz? Für Teams bis etwa 100 Leute: Linear, ohne großes Nachdenken. Die Geschwindigkeit und der Fokus machen dich produktiver. Aber arbeitest du in einem Enterprise mit über 500 Personen und Audit Logs? Dann ist Jira die einzige realistische Option. Es geht nicht darum, welches Tool „besser“ ist – sondern darum, welches zu eurer Organisation passt.





