Notion und Evernote sind beide beliebte Notiz-Apps, aber sie haben eine völlig unterschiedliche Philosophie. Notion ist ein flexibler Arbeitsbereich, in dem Sie Datenbanken, Projekte und Wikis erstellen. Evernote ist ein digitales Archiv zum schnellen Erfassen und Wiederfinden von Informationen. Welche passt zu Ihrer Arbeitsweise?
Notion in Kürze
Notion ist ein All-in-One-Arbeitsbereich, der Notizen, Aufgaben, Datenbanken und Wikis kombiniert. Du baust Seiten mit Blöcken auf, die du nach eigenem Ermessen strukturieren kannst. Die Plattform ist beliebt bei Teams und Einzelpersonen, die ihr gesamtes digitales Leben in einem System organisieren möchten. Die Stärke liegt in relationalen Datenbanken, mit denen du komplexe Verbindungen zwischen Projekten, Aufgaben und Notizen herstellen kannst. Kürzlich erhielt Notion einen Offline-Modus und KI-Funktionalität.
Evernote in Kürze
Evernote ist eine leistungsstarke Notiz-App, die sich auf das schnelle Erfassen und intelligente Wiederfinden von Informationen konzentriert. Das Tool zeichnet sich durch Texterkennung aus: Du kannst in getipptem Text, handschriftlichen Notizen, PDFs und sogar Fotos suchen. Mit dem Web Clipper speicherst du Artikel, der Scanner digitalisiert Dokumente, und die Aufgabenfunktion hält deine To-dos fest. Evernote organisiert alles in Notizbüchern mit Tags, eine vertraute Struktur für alle, die an physische Aktenschränke gewöhnt sind.
Notion vs Evernote: die Unterschiede
Der grundlegende Unterschied liegt im Ansatz. Evernote ist für schnelle Notizen und leistungsstarkes Suchen konzipiert. Du öffnest die App, tippst oder fügst etwas ein, und fertig. Notion fordert dich zunächst auf, über die Struktur nachzudenken: Welche Datenbank, welche Eigenschaften, welche Ansicht? Diese Flexibilität macht Notion für Projektmanagement und Wissensmanagement geeignet, aber auch komplexer. Evernote bleibt eine reine Notiz-App, in die du schnell Informationen ablädst und später wiederfindest.
Die Suchfunktionalität zeigt diesen Unterschied deutlich. Evernotes OCR-Technologie erkennt Text in Bildern und PDFs blitzschnell. Fotografiere eine Visitenkarte oder ein handgeschriebenes Rezept, und du kannst den Text später einfach suchen. Notion hat zwar eine Suche, aber das ist Grundarbeit: Titel, getippter Text und einige Metadaten. Für alle, die viele Dokumente scannen oder Webinhalte archivieren, ist Evernote überlegen. Für alle, die Verbindungen zwischen Projekten herstellen und Daten visualisieren, bietet Notion mehr Möglichkeiten.
Der kostenlose Plan unterscheidet sich enorm. Notion gibt einzelnen Nutzern unbegrenzte Seiten mit nur kleinen Einschränkungen: 5MB Dateigröße pro Upload und 7 Tage Seitenverlauf. Genug für ernsthafte Nutzung. Evernote beschränkt den kostenlosen Plan auf 50 Notizen und 60MB Uploads pro Monat. Das ist faktisch eine erweiterte Testversion. Wer mehr braucht, muss bei Evernote schnell zahlen.
Zusammenarbeit ist ein weiterer Unterschied. Notion hat Echtzeit-Zusammenarbeit eingebaut: Mehrere Personen bearbeiten gleichzeitig, du siehst Cursor sich bewegen, und Kommentare erscheinen direkt. Das Tool fügt kürzlich sogar E-Mail-Integration und Formulare hinzu. Evernote konzentriert sich primär auf individuelle Nutzung. Du kannst Notizbücher teilen, aber die Zusammenarbeitsfunktionen wirken wie eine Ergänzung, nicht wie Kernfunktionalität.
Die Lernkurve ist vielleicht der größte Unterschied. Evernote funktioniert sofort: Erstelle eine Notiz, wähle ein Notizbuch, fertig. Die Struktur mit Notizbüchern und Tags ist intuitiv. Notion hat eine steile Lernkurve. Du musst verstehen, was Datenbanken sind, wie Eigenschaften funktionieren und warum du Beziehungen herstellst. Das bietet enorme Kraft, erfordert aber auch Zeit. Nutzer sprechen von „Notion fatigue“: Mehr Zeit mit der Wartung des Systems als mit der Arbeit selbst verbracht.
Die Preise im Vergleich
Notion wendet eine nutzerfreundliche Preisstruktur an. Der kostenlose Plan ist für einzelne Nutzer großzügig nutzbar. Das Plus-Abonnement kostet € 10 pro Monat bei jährlicher Zahlung oder € 12 pro Monat. Damit erhältst du unbegrenzte Dateigröße und vollständigen Seitenverlauf. Für Teams gibt es Business ab € 20 pro Nutzer pro Monat.
Evernote ist erheblich teurer. Der kostenlose Plan mit 50 Notizen zwingt die meisten Nutzer zu einem bezahlten Abonnement. Personal kostet € 10,83 pro Monat bei jährlicher Zahlung, aber € 14,99 pro Monat ohne Jahresabonnement. Professional liegt bei € 14,17 pro Monat (Jahr) oder € 17,99 (Monat). Das bedeutet gut € 130 pro Jahr für die Personal-Version, während du bei Notion für € 120 pro Jahr mehr Funktionalität erhältst.
Für budgetbewusste Nutzer ist Notion eindeutig attraktiver. Der kostenlose Plan reicht oft aus, und die kostenpflichtige Version bietet mehr für weniger Geld. Evernote verlangt einen Premiumpreis für das, was im Wesentlichen eine Notiz-App bleibt, während Notion eine vollständige Produktivitätsplattform für einen niedrigeren Preis liefert.
Fazit
Notion gewinnt diesen Vergleich für die meisten Nutzer. Der kostenlose Plan ist großzügig genug für ernsthafte Nutzung, die kostenpflichtigen Versionen sind günstiger, und die Funktionalität geht über reine Notizen hinaus. Die Datenbanken, Kollaborationstools und kürzliche Ergänzungen wie der Offline-Modus machen es zu einer vollständigen Plattform. Die Lernkurve ist real, aber die Investition lohnt sich für diejenigen, die Struktur und Übersicht wollen.
Evernote bleibt für spezifische Nutzer relevant: wer viele Dokumente scannt, Text in Bildern durchsuchen muss oder einfach eine simple Notiz-App ohne Aufwand mit Datenbanken möchte. Der Web Clipper und die OCR-Funktionalität sind unübertroffen. Aber der Preis ist hoch und der kostenlose Plan zu begrenzt. Für Teams, Studenten und diejenigen, die mehr als nur Notizen wollen, ist Notion die bessere Wahl.





