Dein Team arbeitet remote, ein Kollege sitzt in Amsterdam, der andere in Bali. Slack glüht, es gibt drei verschiedene Google Drives und niemand weiß mehr, wo die letzte Version des Projektplans ist. Kommt dir bekannt vor? Dann ist es vielleicht Zeit, sich Basecamp mal anzusehen.
Basecamp verspricht, das ganze Chaos an einem übersichtlichen Ort zu bündeln. Kein Ärger mit separaten Apps für Chat, Dateien und Aufgaben. Alles ist drin. Aber ist es wirklich so einfach, wie es klingt? Und wichtiger: passt es zu deiner Arbeitsweise?
Basecamp: das Unternehmen
Basecamp gibt es schon seit 2004 und wird von 37signals entwickelt, einem Unternehmen, das für seinen No-Nonsense-Ansatz bekannt ist. Die Gründer Jason Fried und David Heinemeier Hansson (ja, der von Ruby on Rails) scheuen sich nicht vor einer klaren Meinung darüber, wie Arbeit ablaufen sollte.
Diese Philosophie zeigt sich im Tool. Basecamp ist bewusst einfach gehalten. Keine endlosen Einstellungen, keine Dashboards, die man erst drei Stunden konfigurieren muss. Du bekommst, was du bekommst, und das ist genau die Absicht. Das Unternehmen arbeitet vollständig remote mit einem Team von etwa 70 Personen, sie wissen also aus Erfahrung, wie wichtig gute Kommunikation ist.
Fun Fact: Basecamp verdient genug Geld, um vollständig unabhängig zu bleiben. Keine Investoren, die Druck ausüben, schneller zu wachsen oder mehr Features hinzuzufügen. Das merkt man an der stabilen, ruhigen Entwicklung der Plattform.
Für wen ist Basecamp?
Basecamp ist für Teams gebaut, die asynchron arbeiten. Also nicht jeder, der den ganzen Tag online sitzt und auf direkte Antworten wartet, sondern Teams, die ihre Arbeit in ihrem eigenen Tempo planen und kommunizieren. Denk an:
- Remote-Teams verteilt über verschiedene Zeitzonen
- Agenturen, die mit mehreren Kunden gleichzeitig arbeiten
- Kleine bis mittelgroße Unternehmen, die nicht in komplexer Software ertrinken wollen
- Teams, die müde von Slack-Chaos und endlosen Meetings sind
Es ist weniger geeignet für Teams, die sehr detailliertes Projektmanagement mit Gantt-Charts, Aufgabenabhängigkeiten und Sprint-Planung benötigen. Wenn du Agile oder Scrum umsetzen willst, solltest du dir besser Jira oder Monday.com ansehen. Basecamp hat dafür einfach keine Tools, und das ist eine bewusste Entscheidung.
Auch wichtig: Das Tool funktioniert am besten, wenn dein ganzes Team mitmacht. Wenn die Hälfte immer noch alles über WhatsApp und E-Mail macht, verlierst du den Vorteil eines zentralen Ortes. Du brauchst also etwas Disziplin, um alle an Bord zu holen.
Was kann Basecamp alles?
Basecamp packt viel Funktionalität in eine übersichtliche Oberfläche. Du brauchst nicht zehn verschiedene Menüs, um etwas zu finden. Das sind die wichtigsten Bestandteile:
- Message Board – Eine Art Forum, wo du wichtige Ankündigungen und Diskussionen posten kannst. Praktisch für Dinge, die nicht im täglichen Chat-Rauschen untergehen sollen.
- To-do-Listen – Einfache Aufgabenlisten, die du Teammitgliedern zuweisen kannst. Du kannst sie gruppieren, Deadlines hinzufügen und abhaken, wenn sie fertig sind. Keine ausgefallenen Unteraufgaben oder Abhängigkeiten, einfach eine Liste mit Dingen, die erledigt werden müssen.
- Docs & Files – Ein Ort für all deine Dokumente und Dateien. Kein Suchen mehr durch verschiedene Ordner in Dropbox oder Google Drive. Alles, was zu einem Projekt gehört, ist in diesem Projekt.
- Campfire – Der Echtzeit-Gruppenchat. Für schnelle Fragen und kurze Updates. Aber Basecamp ermutigt dich, nicht alles per Chat zu machen. Wichtige Dinge gehören auf das Message Board oder in ein To-do.
- Schedule – Ein geteilter Kalender, in den du Deadlines, Meetings und Meilensteine einträgst. Jeder sieht auf einen Blick, was ansteht.
- Automatic Check-ins – Das ist wirklich einzigartig. Du kannst automatische Fragen einrichten, die zu festen Zeiten an dein Team gestellt werden. Zum Beispiel jeden Montagmorgen: „Woran wirst du diese Woche arbeiten?“ Oder jeden Freitag: „Was hast du diese Woche erreicht?“ Alle Antworten werden ordentlich gesammelt, ohne dass du ein Meeting planen musst.
- Hill Charts – Eine visuelle Art, Fortschritt zu zeigen. Statt eines Prozentsatzes siehst du einen Hügel. Links bedeutet „noch am Herausfinden“, der Gipfel ist „wir wissen, was wir tun müssen“, und rechts ist „wir sind dabei, es abzuschließen“. Klingt verrückt, aber es funktioniert überraschend gut.
- Card Table – Ein Kanban-ähnliches Board, auf dem du Karten ziehen kannst. Praktisch für visuelle Typen, die ihren Workflow gerne so sehen.
Was du nicht bekommst: erweiterte Berichte, Time Tracking (nur grundlegender Fortschritt), Aufgabenabhängigkeiten, Gantt-Charts oder Sprint-Planung. Basecamp ist bewusst einfach gehalten. Wenn du diese Features wirklich brauchst, musst du woanders suchen.
Was kostet Basecamp?
Die Preisgestaltung von Basecamp ist überraschend übersichtlich. Keine komplizierten Tarife mit Features, die man entschlüsseln muss. Das sind deine Optionen:
Basecamp Personal – Völlig kostenlos. Du bekommst 1 Projekt, Platz für 20 Benutzer und 1 GB Speicher. Perfekt zum Testen oder für kleine Projekte. Keine Kreditkarte erforderlich.
Basecamp Plus – $ 15 pro Benutzer pro Monat. Du bekommst unbegrenzte Projekte und mehr Speicher. Das ist interessant für kleine Teams von 2-10 Personen. Rechne mal nach: mit 5 Personen zahlst du $ 75 pro Monat.
Basecamp Pro Unlimited – $ 349 pro Monat bei monatlicher Zahlung, oder $ 299 pro Monat bei jährlicher Zahlung (also $ 3588 pro Jahr). Hier wird es interessant: du bekommst unbegrenzt Benutzer, unbegrenzte Projekte und 5 TB Speicher. Für große Teams ist das ein Selbstgänger. Mit 30 Personen zahlst du bei Plus bereits $ 450 pro Monat, also ab etwa 25 Benutzern ist Pro Unlimited günstiger.
Und hier kommt das Beste: Kunden und Gäste kannst du kostenlos einladen. Wenn du also eine Agentur bist, die mit 10 verschiedenen Kunden arbeitet, zahlst du nur für dein eigenes Team. Diese Kunden können sich einloggen, mitdiskutieren und Dateien hochladen, ohne dass du dafür extra zahlst.
Alle Pläne kommen mit einer kostenlosen Testphase von 30 Tagen. Genug Zeit, um zu testen, ob es zu deinem Team passt.
Worauf muss man achten?
Basecamp ist nicht perfekt. Die Einfachheit, die für manche Teams ein Segen ist, kann für andere Teams gerade ein Problem sein. Das sind die wichtigsten Kritikpunkte, die man häufig antrifft:
Erstens: die Struktur ist ziemlich starr. Du kannst nicht einfach alles nach deinen eigenen Vorstellungen anpassen. Basecamp hat eine klare Meinung darüber, wie Projektmanagement funktionieren sollte, und damit musst du dich abfinden. Willst du ein vollständig individuelles Dashboard mit Widgets und Grafiken erstellen? Dann bist du hier an der falschen Adresse.
Aufgabenabhängigkeiten existieren nicht. Du kannst nicht angeben, dass Aufgabe B erst beginnen kann, wenn Aufgabe A fertig ist. Für komplexe Projekte mit vielen gegenseitigen Abhängigkeiten ist das ein ernsthaftes Problem. Du musst das alles manuell nachverfolgen oder im Kopf behalten.
Unteraufgaben gibt es auch nicht wirklich. Du kannst zwar To-do-Listen in To-do-Listen erstellen, aber das ist nicht dasselbe wie echte Unteraufgaben mit eigenen Fristen und Zuweisungen. Wenn du sehr detailliert planen willst, stößt du hier an Grenzen.
Integrationen sind begrenzt. Basecamp integriert sich mit einer Handvoll Tools, aber längst nicht mit allem. Du kannst Zapier verwenden, um mehr Verknüpfungen zu erstellen, aber das kostet extra Geld und ist oft etwas umständlich. Vergleiche das mit Tools wie Asana oder Monday.com, die Hunderte native Integrationen haben.
Benachrichtigungen können überwältigend sein, wenn du nicht aufpasst. Standardmäßig bekommst du ziemlich viele Meldungen, und wenn du in mehreren Projekten bist, kann das schnell zu viel werden. Du musst dir wirklich die Zeit nehmen, deine Benachrichtigungseinstellungen richtig zu konfigurieren.
Für kleine Teams kann der Preis ordentlich steigen. $ 15 pro Person pro Monat klingt nicht viel, aber wenn ihr nur zu dritt seid, zahlst du $ 45 pro Monat für Funktionalität, die du vielleicht nicht einmal vollständig nutzt. Dann gibt es günstigere Alternativen.
Abschließend: Basecamp ist nicht für Agile oder Scrum gebaut. Keine Story Points, keine Sprints, keine Burndown Charts. Wenn dein Team an diese Arbeitsweise gewöhnt ist, musst du entweder deine Arbeitsweise anpassen oder ein anderes Tool wählen.
Basecamp Reviews
Ich habe mir einige Basecamp-Reviews angeschaut und gelesen und es gibt einige, die ich gerne mit dir teilen möchte.
1. ToolFinder
Francesco Delesu von ToolFinder nimmt dich mit in eine ausführliche Review von Basecamp. Er betont, dass Basecamp vielleicht etwas altmodisch aussieht, aber gerade deshalb sehr leistungsfähig für remote Teams ist, die asynchron arbeiten. Das Tool hat eine klare Meinung darüber, wie Projektmanagement funktionieren sollte, was für manche Teams perfekt ist und für andere gerade einschränkend.
Francesco zeigt, wie die Preisgestaltung funktioniert: € 15 pro Benutzer für kleine Teams, aber nur € 299 pro Monat für unbegrenzte Benutzer. Das macht Basecamp besonders interessant für größere Teams. Er demonstriert Features wie die Message Boards, To-Do-Listen, Hill Charts, automatische Check-ins und die praktische Card Table für Kanban-ähnliches Arbeiten. Auch die Möglichkeit, Kunden Zugang zu Projekten zu geben, findet er einen starken Punkt.
Pluspunkte
- Eingebautes Time Tracking und Fortschrittserfassung
- Kunden können einfach Zugang zu Projekten erhalten
- Unbegrenzte Benutzer für € 299/Monat – ideal für große Teams
- Automatische Check-ins perfekt für verschiedene Zeitzonen
Minuspunkte
- Weniger flexibel als andere Projektmanagement-Tools
- Nicht geeignet, wenn du ein vollständig individuelles Layout erstellen möchtest
- Der strukturierte Ansatz funktioniert nicht für jeden
2. Speak about digital
Diese Review von Speak about digital hält es schön kurz und bündig. Er positioniert Basecamp als das Tool für Teams, die keine Lust auf komplexe Workflows oder endlose Menüs haben. Du loggst dich ein, siehst deine Aufgaben, sprichst mit deinem Team und machst weiter mit deiner Arbeit. Diese Einfachheit ist genau das, worum es bei Basecamp geht.
Er geht durch die Kernfunktionen: Message Boards, To-Do-Listen, einen Schedule, File Storage und den Campfire Gruppenchat. Chet betont, dass das Tool vor allem für Remote-Teams und Agenturen geeignet ist, die mit mehreren Kunden arbeiten. Er ist ehrlich über die Einschränkungen: keine Gantt-Charts, keine erweiterten Reportings, begrenzte Integrationen. Aber für Teams, die gerade weniger Ablenkung wollen, kann diese Einfachheit genau ein Vorteil sein. Die Preise reichen von kostenlos (1 Projekt) bis € 349/Monat für den Pro Unlimited Plan mit unbegrenzten Benutzern.
Pluspunkte
- Extrem benutzerfreundlich, keine Schulung erforderlich
- Ideal für Remote-Teams und Agenturen mit mehreren Kunden
- Übersichtliche Struktur hält alle auf derselben Linie
Minuspunkte
- Keine Gantt-Charts, Time Tracking oder Task Dependencies
- Begrenzte Integrationsmöglichkeiten (hauptsächlich E-Mail und Zapier)
- Zu einfach für Teams, die viel Kontrolle und Anpassung benötigen
Basecamp Alternativen
Passt Basecamp nicht ganz zu dem, was du suchst? Kein Problem. Es gibt genug andere Tools, die vielleicht besser zu deiner Arbeitsweise passen. Das sind die naheliegendsten Alternativen:
- Monday.com – Wähle dies, wenn du viele visuelle Anpassungsmöglichkeiten möchtest. Monday.com ist viel flexibler als Basecamp und du kannst Dashboards genau nach deinem Geschmack einrichten. Auch die Automatisierungen sind viel umfangreicher. Der Nachteil: es ist komplexer und teurer. Aber wenn du gerne bunte Boards und Diagramme hast, ist dies dein Tool.
- Asana – Entscheide dich für Asana, wenn du detailliertes Aufgabenmanagement mit Abhängigkeiten benötigst. Du kannst hier genau angeben, welche Aufgaben aufeinander warten, und die Zeitachsenansicht gibt dir einen schönen Überblick über deine Planung. Asana hat auch eine kostenlose Version, die schon ziemlich vollständig ist. Es ist allerdings etwas geschäftlicher und weniger persönlich als Basecamp.
- Trello – Möchtest du einfach ein simples Kanban-Board ohne Schnickschnack? Dann ist Trello perfekt. Es macht weniger als Basecamp (kein Chat, keine Message Boards), aber was es macht, macht es sehr gut. Und die kostenlose Version reicht schon mehr als aus für kleine Teams. Nachteil: bei größeren Projekten wird es schnell unübersichtlich.
Jedes dieser Tools hat seine eigenen Stärken. Monday.com für visuelle Typen, Asana für detaillierte Planer, Trello für Minimalisten. Basecamp liegt dazwischen: mehr als Trello, aber einfacher als Monday.com oder Asana.
Häufig gestellte Fragen
Hat Basecamp eine kostenlose Version?
Ja, Basecamp Personal ist völlig kostenlos. Du bekommst 1 Projekt, Platz für 20 Benutzer und 1 GB Speicher. Das reicht, um das Tool gut zu testen oder um ein kleines Projekt zu betreiben. Du brauchst keine Kreditkarte, um zu starten.
Muss ich für Kunden oder Gäste bezahlen?
Nein, und das ist wirklich ein großer Vorteil. Du kannst unbegrenzt Kunden und externe Gäste einladen, ohne dass du dafür extra bezahlst. Sie erhalten Zugang zu bestimmten Projekten, die du mit ihnen teilst. Super praktisch, wenn du eine Agentur bist oder viel mit externen Partnern zusammenarbeitest.
Was ist der Unterschied zwischen Basecamp Plus und Pro Unlimited?
Basecamp Plus kostet $ 15 pro Benutzer pro Monat und ist ideal für kleine Teams. Pro Unlimited kostet einen festen Betrag von $ 299 pro Monat (bei jährlicher Zahlung) und gibt dir unbegrenzte Benutzer plus 5 TB Speicher. Ab etwa 20-25 Teammitgliedern wird Pro Unlimited günstiger. Beide Pläne haben die gleichen Features, nur der Preis und die Kapazität unterscheiden sich.
Kann ich Basecamp mit anderen Tools integrieren?
Basecamp hat eine begrenzte Anzahl nativer Integrationen. Du kannst aber Zapier verwenden, um Verknüpfungen mit Hunderten anderen Apps herzustellen, aber das kostet extra Geld. Vergleiche das mit Tools wie Asana oder Monday.com, die viel mehr Out-of-the-Box-Integrationen bieten.
Ist Basecamp für Agile Teams geeignet?
Nicht wirklich. Basecamp hat keine Story Points, Sprints, Burndown Charts oder andere Agile-spezifische Features. Wenn dein Team strikt Scrum fährt, kannst du besser nach Jira oder Azure DevOps schauen. Basecamp ist eher für Teams gedacht, die asynchron arbeiten und weniger strukturierte Workflows haben.
Fazit
Basecamp ist eine solide Wahl für Remote-Teams, die nicht in komplexer Software ertrinken wollen. Es tut genau das, was es verspricht: alles an einem Ort ohne Gedöns. Die Preisgestaltung ist fair, besonders für größere Teams. Und die Tatsache, dass du Kunden kostenlos einladen kannst, macht es extra interessant für Agenturen.
Aber es ist nicht für jeden. Wenn du detaillierte Planung mit Gantt-Charts und Aufgabenabhängigkeiten brauchst, oder wenn du Agile fahren willst, musst du woanders sein. Basecamp hat eine klare Meinung darüber, wie Arbeit ablaufen sollte, und damit musst du einverstanden sein.
Der beste Weg, um herauszufinden, ob es zu dir passt? Einfach ausprobieren. Du hast 30 Tage kostenlos, um es zu testen, und die kostenlose Version reicht schon aus, um ein gutes Bild zu bekommen. Richte ein kleines Projekt ein, lade dein Team ein und schau, ob die Einfachheit von Basecamp für euch funktioniert oder doch zu einschränkend ist.
Für viele Teams ist Basecamp genau das, was sie brauchen: kein Schnickschnack, einfach gutes Projektmanagement. Für andere Teams ist es zu einfach. Der einzige Weg, das herauszufinden, ist es selbst auszuprobieren.






