Ihr Posteingang quillt über mit Ideen, To-dos und vagen Zukunftsplänen. Sie haben das Getting Things Done Buch gelesen und wissen genau, wie es funktionieren sollte. Aber Ihre aktuelle Aufgaben-App kämpft gegen die GTD-Methodologie, anstatt mit ihr zu arbeiten. Nirvana ist ein cloud-basierter Aufgabenmanager, der speziell entwickelt wurde, um den Getting Things Done Workflow strikt zu befolgen, ohne Kompromisse oder „flexible Interpretationen“.
Wer steckt hinter Nirvana?
Nirvana wurde 2010 von Elbert McLaughlin gegründet. Das Unternehmen wählte von Anfang an einen ungewöhnlichen Weg: keine externen Investoren, kein Venture Capital, keine Übernahmen. Ein bootstrapped Unternehmen, das vollständig auf eigenen Beinen steht.
Diese Unabhängigkeit hat Vor- und Nachteile. Es bedeutet, dass Nirvana nicht schnellem Wachstum nachjagen oder Investoren zufriedenstellen muss. Der Fokus bleibt auf dem, was am besten für GTD-Praktizierende funktioniert. Die Kehrseite ist, dass die Entwicklung langsamer vorangeht als bei Konkurrenten mit Millionen an Funding. Updates kommen weniger häufig, und die Oberfläche hat immer noch diese 2010-Ausstrahlung.
Was Nirvana einzigartig macht, ist die strikte Interpretation des GTD-Workflows. Wo andere Apps GTD-Konzepte oberflächlich implementieren, hat Nirvana alles nativ eingebaut: Inbox, Next Actions, Waiting For, Scheduled und Someday/Maybe. Die bekannteste Funktion ist die ‚Focus‘-Liste, die Aufgaben automatisch nach der verfügbaren Zeit und Energie filtert. Diese Funktion allein macht deutlich, dass hier Menschen arbeiten, die GTD wirklich verstehen.
Für wen ist Nirvana?
Nirvana ist für Menschen gemacht, die die Getting Things Done Methodik ernst nehmen. GTD-Puristen finden hier eine App, die nicht versucht, clever zu sein oder die Methode zu „verbessern“. Sie funktioniert genau so, wie David Allen es in seinem Buch beschreibt.
Freelancer und Einzelnutzer, die ihre persönliche Produktivität optimieren möchten, sind hier gut aufgehoben. Die App zwingt einen nicht, auf eine bestimmte Weise zu arbeiten, unterstützt aber, wenn man GTD befolgen möchte.
Aber Nirvana ist nicht für jeden. Große Teams können hier wenig damit anfangen. Es gibt keine Zusammenarbeitsfunktionen, keine gemeinsamen Projekte, keine Kommentare oder Erwähnungen. Man kann zwar Aufgaben per E-Mail versenden, aber das war’s dann auch.
Auch wenn man visuell mit Kanban-Boards oder Gantt-Charts arbeitet, muss man woanders suchen. Nirvana ist eine listenbasierte App ohne Schnickschnack. Und wenn man nicht mit GTD vertraut ist, kann die Struktur am Anfang verwirrend sein. Die App erklärt nicht, warum Dinge so organisiert sind.
Was kann Nirvana alles?
Die kostenlose Version von Nirvana gibt Zugang zur Kernfunktionalität, beschränkt einen aber auf 5 Projekte und 3 Referenzlisten. Auch wiederkehrende Aufgaben befinden sich hinter der Bezahlschranke. Für eine vollständige GTD-Implementierung benötigt man also den Pro-Plan.
- GTD Inbox-Verarbeitung: Alles, was hereinkommt, landet zuerst in deiner Inbox. Dort entscheidest du, was damit passiert: wird es eine Aufgabe, ein Projekt, eine Referenz oder wirfst du es weg. Dieser Entscheidungsbaum ist nativ in die Oberfläche eingebaut.
- Next Actions-Listen: Aufgaben, die du jetzt ausführen kannst, erscheinen automatisch in deiner Next-Liste. Keine endlose To-do-Liste, durch die du scrollen musst, nur Aktionen, die wirklich verfügbar sind.
- Focus-Liste: Hier glänzt Nirvana wirklich. Du gibst an, wie viel Zeit und Energie du hast, und die App filtert deine Aufgaben danach. Hast du nur 15 Minuten? Dann siehst du nur Quick Wins. Bist du völlig erschöpft? Dann bekommst du keine Aufgaben, die tiefe Konzentration erfordern.
- Startdaten für Aufgaben: Eine seltene Funktion, die essentiell für GTD ist. Aufgaben können ein Startdatum bekommen und bleiben bis zu diesem Datum verborgen. So wird deine Next-Liste nicht mit Dingen verschmutzt, die du sowieso noch nicht tun kannst.
- Waiting For-Listen: Behalte im Blick, auf wen du wartest, ohne dass es deine eigene Aufgabenliste verschmutzt. Perfekte Umsetzung des GTD-Konzepts.
- Projektmanagement: Projekte können sequentiell oder parallel sein. Bei sequentiellen Projekten siehst du nur die nächste Aktion, bei parallelen Projekten alle verfügbaren Aktionen. Einfach aber kraftvoll.
- Areas of Focus: Gruppiere Projekte und Aufgaben unter Lebensbereichen wie Arbeit, Gesundheit oder Finanzen. Hilft dir zu sehen, ob deine Aufmerksamkeit gut verteilt ist.
- Tags und Contexts: Kennzeichne Aufgaben mit Orten (@Büro, @Zuhause) oder Tools (@Computer, @Telefon). Filtere dann deine Liste nach dem, was du jetzt tun kannst.
- Checklisten: Füge Unteraufgaben zu Aktionen hinzu. Praktisch für Routinen oder Prozeduren, die du öfter ausführst.
- E-Mail zu Aufgabe: Sende eine E-Mail an deine persönliche Nirvana-Adresse und sie wird automatisch zu einer Aufgabe in deiner Inbox. Funktioniert gut für schnelles Erfassen.
- Energie- und Zeitfilter: Gib Aufgaben ein Energieniveau (niedrig, mittel, hoch) und geschätzte Dauer. Filtere deine Liste nach dem, was zu deinem aktuellen Zustand passt.
Die Oberfläche ist funktional, aber nicht schön. Alles ist dort, wo man es erwartet, aber das Design wirkt veraltet. Keine ausgefallenen Animationen oder moderne UI-Muster. Für manche Nutzer ist das beruhigend, für andere langweilig.
Was auffällt ist, was fehlt: keine Dateianhänge, nur Links. Keine Sprachaufnahme. Keine Widgets für deinen Homescreen. Keine natürliche Spracheingabe. Nirvana macht GTD gut, fügt aber wenig moderne Funktionalität hinzu.
Was kostet Nirvana?
Nirvana hat einen kostenlosen Basic-Plan, der dir ermöglicht, den GTD-Workflow kennenzulernen. Du erhältst Zugang zu allen Kernfunktionen, bist aber auf maximal 5 Projekte und 3 Referenzlisten beschränkt. Wiederkehrende Aufgaben sind in der kostenlosen Version nicht verfügbar.
Der Pro-Plan kostet $ 5 pro Monat bei monatlicher Zahlung. Wenn du dich für ein Jahresabonnement entscheidest, zahlst du $ 29 pro Jahr, was $ 2,42 pro Monat entspricht. Das ist erheblich günstiger als Konkurrenten wie Todoist oder Things 3.
Es gibt keine Testphase, aber die kostenlose Version ist großzügig genug, um zu testen, ob Nirvana zu dir passt. In der Vergangenheit bot Nirvana eine Lifetime-Lizenz an, aber diese ist für neue Benutzer nicht mehr verfügbar. Das Unternehmen ist auf ein Abonnementmodell umgestiegen.
Für das, was du bekommst, ist der Preis fair. Keine versteckten Kosten, keine Pro-Benutzer-Lizenzen, einfach eine Pauschalgebühr für vollen Zugang. Die App funktioniert auf allen Plattformen ohne zusätzliche Kosten.
Worauf muss man achten?
Die größte Sorge bei Nirvana ist das Entwicklungstempo. Updates kommen sporadisch und die Benutzeroberfläche fühlt sich veraltet an. Einige Benutzer vergleichen es mit Abandonware, Software, die noch funktioniert, aber kaum gewartet wird. Das ist vielleicht zu hart, aber die Sorgen sind nicht unbegründet.
Die Synchronisierung zwischen Geräten funktioniert meistens gut, aber es gibt regelmäßig Beschwerden über Sync-Bugs in mobilen Apps. Aufgaben, die nicht erscheinen, Änderungen, die nicht durchkommen, oder Konflikte, die manuell gelöst werden müssen. Nicht täglich, aber oft genug, um nervig zu sein.
Das Fehlen von Kollaborationsfunktionen ist eine bewusste Entscheidung, aber dennoch eine Einschränkung. Du kannst keine Projekte teilen, keine Aufgaben zuweisen, keine Kommentare hinterlassen. Für persönliche Produktivität ist das kein Problem, aber sobald du mit anderen arbeiten musst, stößt du an Grenzen.
Die mobilen Apps sind funktional, aber einfach. Keine Widgets, keine Siri-Integration, keine Quick Capture per Sprache. Du musst die App öffnen und tippen. Im Jahr 2024 fühlt sich das altmodisch an.
Auch das Fehlen von Unteraufgaben ist ein Manko. Du kannst zwar Checklisten innerhalb von Aufgaben erstellen, aber keine echte Hierarchie von Aufgaben und Unteraufgaben. Für komplexe Projekte musst du Workarounds finden.
Schließlich: Das Design ist klinisch und langweilig. Keine Farben, keine Persönlichkeit, keine visuelle Hierarchie. Für GTD-Puristen ist das ein Pluspunkt, aber für die meisten Menschen fühlt es sich veraltet und wenig inspirierend an.
Nirvana Alternativen
Wenn Nirvana nicht ganz passt, gibt es Alternativen, die vergleichbare Funktionalität mit anderen Trade-offs bieten.
- Todoist: Wähle dies, wenn du eine modernere Oberfläche mit mehr Integrationen und Zusammenarbeitsfunktionen möchtest. Todoist ist flexibler, folgt aber GTD weniger strikt. Du musst die Struktur selbst aufsetzen.
- Things 3: Entscheide dich hierfür, wenn du vollständig im Apple-Ökosystem bist und Wert auf Design legst. Things ist wunderschön gestaltet und funktioniert nahtlos auf Mac, iPhone und iPad. Nachteil: einmaliger Kauf pro Plattform und keine Android- oder Windows-Version.
- Everdo: Wähle dies, wenn Datenschutz wichtig ist und du deine Daten lokal speichern möchtest. Everdo ähnelt in Bezug auf Oberfläche und Funktionalität stark Nirvana, speichert aber alles auf deinem eigenen Gerät statt in der Cloud. Auch hier ein einmaliger Kauf statt Abonnement.
Häufig gestellte Fragen
Einige Fragen, die bei Leuten, die Nirvana in Erwägung ziehen, häufig aufkommen.
Ist Nirvana für Teams geeignet?
Nein, Nirvana ist für persönliche Produktivität gebaut. Du kannst zwar Aufgaben per E-Mail an andere senden, aber es gibt keine gemeinsamen Projekte, keine Zuweisungen und keine Kommentarfunktionen. Für Teamarbeit musst du ein anderes Tool wählen.
Unterstützt Nirvana die GTD-Methode vollständig?
Ja, Nirvana ist eine der wenigen Apps, die native Unterstützung für alle GTD-Konzepte bietet. Inbox, Next Actions, Waiting For, Someday/Maybe und Areas of Focus sind alle eingebaut. Du musst keine Workarounds finden, um GTD zum Laufen zu bringen.
Gibt es noch einen Lifetime Deal?
Nein, Nirvana bot in der Vergangenheit eine Lifetime-Lizenz an, ist aber auf ein Abonnementmodell umgestiegen. Die Lifetime-Option ist für neue Benutzer nicht mehr öffentlich verfügbar. Bestehende Lifetime-Benutzer behalten ihren Zugang.
Fazit
Nirvana ist ein Nischenanbieter, der eine Sache gut macht: Getting Things Done so implementieren, wie es gedacht ist. Wenn du GTD ernst nimmst und eine App möchtest, die mit der Methodologie mitgeht, anstatt dagegen anzukämpfen, ist dies ein starker Kandidat. Allein die Focus-Liste und Startdaten machen es lohnenswert.
Aber du musst Scheuklappen aufsetzen für das veraltete Design und die langsame Entwicklung. Nirvana fühlt sich an wie eine App aus 2010, die nie wirklich modernisiert wurde. Für manche Menschen ist das beruhigend, für andere frustrierend.
Wähle Nirvana, wenn du GTD-Purist bist und Funktionalität wichtiger findest als Form. Wähle etwas anderes, wenn du moderne Features erwartest, mit einem Team arbeitest oder Wert auf regelmäßige Updates und ein schönes Design legst. Die kostenlose Version gibt dir genug Raum, um zu testen, ob der GTD-Ansatz zu dir passt.






