Sie befinden sich in Ihrem x-ten Videomeeting des Tages und versuchen mitzutippen. Was sagte der Kunde noch gleich über die Deadline? Und die Aufgabe, die Sie verfolgen sollten? Read.ai springt hier als digitaler Assistent ein: Es zeichnet Ihre Meetings automatisch auf, transkribiert alles und erstellt eine lesbare Zusammenfassung. Inklusive Analyse, wie engagiert jeder war und wie die Stimmung war.
Wer steckt hinter Read.ai?
Read AI, Inc. wurde 2021 von David Shim, Rob Williams und Elliott Waldron in Seattle gegründet. Die ursprüngliche Idee entstand aus einem nachvollziehbaren Problem: Wie misst man Engagement und Stimmung in virtuellen Meetings? Die Gründer sahen, wie ‚Zoom-Müdigkeit‘ während der Pandemie zu einem echten Phänomen wurde. Meetings wurden länger, weniger effektiv, und niemand wusste eigentlich, ob die Leute noch wirklich zuhörten.
Das Unternehmen wuchs explosionsartig. Im Oktober 2024 kamen 100.000 neue Accounts pro Woche hinzu. Inzwischen nutzen 75% der Fortune-500-Unternehmen das Tool. Mit mehr als 1 Million wöchentlich aktiven Nutzern hat sich Read.ai zu einem ernstzunehmenden Player im Meeting-Intelligence-Markt entwickelt.
Das Unternehmen sammelte bisher $1 Millionen ein, mit einer Series-B-Finanzierungsrunde. Investoren wie Smash Capital, Madrona Venture Group und Goodwater Capital sahen Potenzial in der Kombination aus Transkription und Verhaltensanalyse. Dieser Fokus auf Stimmung und Engagement unterscheidet Read.ai von reinen Transkriptions-Tools.
Für wen ist Read.ai geeignet?
Read.ai richtet sich vor allem an Teams, die viel online zusammenarbeiten und daraus Nutzen ziehen möchten. Vertriebsteams nutzen es, um Kundengespräche nachzuhören und Muster zu erkennen. Recruiter können Interviews analysieren, ohne ständig Notizen zu machen. Manager erhalten Einblicke in Teamdynamik und Engagement während Standups.
Auch Wissensarbeiter, die viele Meetings haben, finden darin einen Mehrwert. Man muss nicht mehr alles im Kopf behalten oder mittippen. Das Tool extrahiert automatisch Aktionspunkte und man kann später nach bestimmten Themen suchen.
Weniger geeignet ist Read.ai für Menschen, die datenschutzsensible Gespräche führen. Das Tool arbeitet nämlich mit einem sichtbaren Bot, der an Ihrem Meeting teilnimmt. Das kann bei vertraulichen Gesprächen oder Therapiesitzungen unangenehm sein. Auch wenn Sie selten Meetings haben oder lieber manuell Notizen machen, ist dieses Tool wahrscheinlich überdimensioniert.
Was kann Read.ai alles?
Die kostenlose Version bietet bereits Transkription und Zusammenfassungen, allerdings mit einem Limit von 5 Berichten pro Monat und maximal 1 Stunde pro Meeting. Für Video-Wiedergabe, unbegrenzte Berichte und erweiterte Analysen benötigen Sie einen kostenpflichtigen Plan. Das sind die wichtigsten Funktionen:
- Automatische Transkription: Read.ai transkribiert deine Meetings in mehreren Sprachen, einschließlich Niederländisch. Die Genauigkeit ist laut Nutzern gut, auch bei verschiedenen Akzenten. Sprecher werden automatisch erkannt und gekennzeichnet.
- KI-Zusammenfassungen: Nach dem Meeting erhältst du eine strukturierte Zusammenfassung mit den wichtigsten Punkten. Praktisch, wenn du schnell wissen möchtest, worum es in einem Meeting ging, ohne das gesamte Transkript zu lesen.
- Stimmungsanalyse: Das Tool analysiert den Ton von Gesprächen und zeigt an, ob die Atmosphäre positiv, neutral oder negativ war. Dies funktioniert besonders gut auf Englisch. Einige Nutzer finden diese Funktion etwas oberflächlich, aber für Vertriebsteams kann sie Einblicke geben, wie ein Pitch aufgenommen wurde.
- Engagement-Messungen: Read.ai misst, wer wann gesprochen hat und wie aktiv die Teilnehmer waren. Du siehst zum Beispiel, ob eine Person das Gespräch dominiert hat oder ob alle gleich viel beigetragen haben.
- Search Copilot: Du kannst alle deine Meetings nach bestimmten Themen oder Stichwörtern durchsuchen. Suchst du diese Bemerkung zum Budget in einem Meeting von vor zwei Wochen? Du findest sie innerhalb von Sekunden.
- Video-Wiedergabe und Highlights: Springe zu bestimmten Momenten in der Aufnahme. Das Tool markiert automatisch wichtige Passagen, sodass du nicht durch stundenlange Videos scrollen musst.
- Smart Scheduler: Analysiert deinen Kalender und gibt Empfehlungen zu deiner Meeting-Last. Praktisch, wenn du das Gefühl hast, dass dein ganzer Tag aus Calls besteht.
- CRM-Integrationen: Verbinde Read.ai mit HubSpot oder Salesforce, um automatisch Meeting-Notizen zu Kontakten hinzuzufügen. Für Vertriebsteams spart dies viel manuelles Kopieren und Einfügen.
- Aktionspunkte extrahieren: Die KI holt automatisch To-dos und Folgeaktionen aus Gesprächen. Dies funktioniert recht gut, obwohl man manchmal noch manuell nachsteuern muss.
Das Tool funktioniert auf allen wichtigen Plattformen: Web, iOS, Android, Windows und macOS. Linux wird nicht unterstützt. Sie können Read.ai in Zoom, Microsoft Teams, Google Meet und anderen gängigen Videoplattformen verwenden.
Was kostet Read.ai?
Read.ai bietet einen kostenlosen Tarif, mit dem du starten kannst. Damit erhältst du maximal 5 Berichte pro Monat und Meetings dürfen nicht länger als 1 Stunde dauern. Video-Wiedergabe ist im kostenlosen Tarif nicht enthalten. Für die meisten Personen, die regelmäßig Meetings haben, ist dies zu eingeschränkt.
Der Pro-Tarif kostet $1,75 pro Monat oder $1 pro Monat bei jährlicher Zahlung ($1 pro Jahr). Damit erhältst du unbegrenzte Berichte, längere Meetings und Video-Wiedergabe. Es gibt auch eine 7-tägige kostenlose Testphase.
Für Teams gibt es Enterprise-Tarife. Enterprise kostet $1,75 pro Monat (oder $1,50 bei jährlicher Zahlung, $1 pro Jahr). Enterprise+ kostet $1,75 pro Monat (oder $1,75 bei jährlicher Zahlung, $1 pro Jahr). Diese Tarife bieten zusätzliche Funktionen wie erweiterte Analysen, Admin-Kontrollen und Priority-Support.
Die Preise sind in Dollar angegeben. Read.ai ist ein amerikanisches Unternehmen, daher zahlst du in Fremdwährung. Das bedeutet, dass die genauen Kosten durch Wechselkurse schwanken können.
Worauf sollte man achten?
Das größte Ärgernis, das Nutzer nennen: Read.ai fügt sich manchmal ungefragt zu Calls hinzu. Der Bot taucht in Meetings auf, wo du ihn nicht erwartest, was bei externen Gesprächen peinlich sein kann. Du kannst dies in den Einstellungen anpassen, aber die Standardeinstellung ist aggressiv.
Datenschutz ist ein wiederkehrender Kritikpunkt. Das Tool verlangt umfangreiche Zugriffsrechte auf deinen Kalender und Meeting-Daten. Alles wird auf amerikanischen Servern (AWS) gespeichert. Das Unternehmen ist zwar SOC 2 Type 2 zertifiziert, aber wenn du sensible Informationen besprichst, musst du dir überlegen, ob du das von einem Drittanbieter aufzeichnen und analysieren lassen möchtest.
Mehrere Nutzer beklagen, dass es schwierig ist, das Konto und die Daten zu löschen. Einige beschreiben das Verhalten des Tools sogar als malware-ähnlich, weil es schwer ist, es vollständig vom System zu entfernen. Der Kundenservice wird ebenfalls regelmäßig kritisiert: langsame Antworten und wenig Hilfe bei Problemen.
Die Sentimentanalyse funktioniert unterschiedlich. Bei Nuancen oder Sarkasmus liegt die KI manchmal daneben. Ein Meeting, das du als produktiv empfunden hast, kann als negativ eingestuft werden und umgekehrt. Nimm diese Metriken also mit Vorsicht.
Schließlich: Die E-Mail-Zusammenfassungen, die Read.ai versendet, enthalten laut Reviewern viel Werbeinhalte. Du erhältst nicht nur deine Meeting-Notizen, sondern auch Werbung für Features und Upgrades. Das wirkt aufdringlich, wenn du bereits für den Service bezahlst.
Read.ai Alternativen
Read.ai ist nicht der einzige Anbieter auf diesem Markt. Je nachdem, wonach du suchst, können diese Alternativen besser passen:
- Otter.ai: Wähle dies, wenn du hauptsächlich englische Transkriptionen ohne tiefgehende Analysen benötigst. Otter konzentriert sich mehr auf reine Transkription und Echtzeit-Zusammenarbeit, mit weniger Fokus auf Stimmung und Engagement.
- Fireflies.ai: Bietet sehr umfangreiche Integrationen und Workflow-Automatisierung. Wenn du erweiterte Workflows nach Meetings auslösen möchtest, wie das automatische Erstellen von Aufgaben in deinem Projektmanagement-Tool, ist Fireflies stärker.
- Fathom: Vollständig kostenlos für individuelle Nutzung ohne monatliche Limits. Wenn du ein kostenloses Tool suchst und die Engagement-Analysen von Read.ai nicht benötigst, ist Fathom eine gute Alternative.
Häufig gestellte Fragen
Im Folgenden beantworten wir die häufigsten Fragen zu Read.ai:
Kann ich den Read.ai Bot aus meinem Meeting entfernen?
Ja, du kannst den Bot während des Calls manuell entfernen oder über die Einstellungen festlegen, welchen Meetings er beitreten darf. Beachte, dass die Standardeinstellungen ziemlich aggressiv sind, also überprüfe dies bei der ersten Installation.
Sind meine Daten bei Read.ai sicher?
Read.ai verwendet Verschlüsselung und ist SOC 2 Type 2 zertifiziert. Deine Daten werden auf amerikanischen Servern (AWS) gespeichert. Ob dies sicher genug ist, hängt von deinen Datenschutzanforderungen und der Art der Gespräche ab, die du führst.
Fazit
Read.ai ist ein leistungsstarkes Tool für Teams, die viel Zeit in Meetings verbringen und daraus systematisch Nutzen ziehen möchten. Die Transkriptionen sind präzise, die Suchfunktion funktioniert gut und es spart wirklich Zeit. Besonders für Sales-Teams und Recruiter, die Gespräche analysieren möchten, bietet es Mehrwert.
Gleichzeitig gibt es berechtigte Bedenken hinsichtlich Datenschutz und des aufdringlichen Verhaltens des Bots. Wenn du sensible Informationen besprichst oder mit Kunden arbeitest, die bei Aufzeichnungen zurückhaltend sind, musst du gut überlegen, ob dieses Tool passt. Die kostenlose Version ist für regelmäßige Nutzung zu eingeschränkt, rechne also mit mindestens $1 pro Monat.
Für diejenigen, die viele interne Meetings haben und datengesteuert an der Meeting-Effektivität arbeiten möchten, ist Read.ai einen Versuch wert. Für gelegentliche Nutzer oder datenschutzbewusste Organisationen gibt es bessere Alternativen.






